Gartenparty und schlechte Nachrichten

Nicht genug damit, dass die Krieger beschlossen hatten, Bal des Heimsteins zu verweisen, nein am selben Tag brachte mir Arne auch noch Zina wieder, eine Sklavin, die ich ihm auf unserer Handelsreise verkauft hatte. Seufzend rückte ich die Münzen wieder heraus, die er für sie bezahlt hatte, hatte ich mir doch im Falle des Nichtgefallens, das Rückkaufrecht erbeten. Zu Zinas Glück war Arne nicht grundsätzlich unzufrieden, er hatte nur den Eindruck, dass sie nicht für den Norden, und somit nicht als Bond, geeignet wäre. Na gut, damit konnte ich leben und Zina kam ohne größeren Ärger meinerseits zurück an meine Handelskette. Zumindest Zina schien sich zu freuen, denn nachdem sie erst mich fast umwarf, so fest wie sie meine Beine umklammerte vor Freude, probte sie dasselbe noch bei Georg, der allerdings wie immer etwas unwirscher reagierte, und kurz darauf sprang sie noch Cita an, ebenfalls eine Sklavin, die ich an der Kette hatte und an der der Hauptmann Gefallen gefunden hatte. Nun gut, trotz der Rückgabe hatte ich immer noch einen satten Gewinn gemacht, und da Georg sich nicht freiwillig zu einer Kastenaufnahme äusserte, überreichte ich ihm einige Tage später auf der Gartenparty, zu der die Baumeisterin geladen hatte, einen schriftlichen Antrag. Ich führte dort auch die Recherchen die ich anstellte auf, nämlich zu dem Thema Kaste und Heimstein. Bisher stellte sich Georg auf den Standpunkt, er könne mich nicht ohne Heimstein in die Kaste aufnehmen. Ich gründete meinen Antrag es doch zu tun darauf, dass ich nicht die Aufnahme in die Händlerkaste Jort’s Fähre beantrage, sondern lediglich die Aufnahme in die Händlerkaste überhaupt. Nach meinen Recherchen dürfte dieses Recht jemanden in eine Kaste aufzunehmen jeder Kastenerste einer Stadt haben, und somit auch Georg. Mit der Kastenzugehörigkeit würde ich dann die Aufnahme an den Heimstein beantragen und dann der jortschen Handelskaste zugeordnet werden. Snapshot_855 Ich war zuversichtlich, dass meine Argumentation plus dem Gewinn der Handelsreise ausreichen würde, ihn zu überzeugen, aber als ich ihn später leise fragte, ob er schon entschieden hätte, stellte sich heraus, dass er natürlich wieder an seinem Dickschädel festhielt. Ich soll erst den Heimstein beantragen. Ja Himmelherrgott nochmal, wieso ließ er mich erst frei, wenn ihn nicht mal Leistung überzeugte, er wusste genau, dass wenn ich ohne Kaste den Heimstein beantrage, die Hälfte der jortschen Bürger Widerspruch erhebt, selbst WENN ich eine Kaste nachweisen kann, wird der ein oder andere noch Gründe finden, einer ehemaligen Sklavin den Heimsteinschwur zu verweigern, aber ohne Kastenzugehörigkeit war das völlig unmöglich. Zwischen Wut und Enttäuschung schwankend versuchte ich noch zu argumentieren, aber er unterhielt sich lieber mit dem Mündel des Schmiedes und einer Händlerin, die auch zur Gartenparty geladen war, und nicht aus Jorts kommt. Na ganz toll, offenbar konnten sogar die beiden Krieger im Rat dies nicht mehr nachvollziehen. Ich überlegte bereits ernsthaft, in einer anderen Stadt die Händlerkaste zu beantragen, oder noch besser, gleich in den Wald auszuwandern. Was ist das für ein System, wo Sklaven freigelassen werden, und ihnen dann unlösbare Aufgaben gestellt werden, die verhindern, dass sie an Heimstein und Kaste gelangen. Es dauerte eine ganze Weile, bis ich mich beruhigte, und für heute war mir auch die Lust am Feiern vergangen. Ich bat Kin noch, mir Cita am nächsten Tag für den von ihm schon beim Kauf bezahlten Unterricht zu schicken und machte mich auf nach Hause. Am nächsten Tag sammelte ich Cita und ebenfalls Zina ein, um mit dem geplanten Unterricht zu beginnen und außerdem lenkte es mich von dem Ärger um Kaste und Heimstein ab. Ich ließ den Mädchen die Wahl, wo wir uns für den Unterricht niederlassen würden, und sie entschieden sich für den Garten, der Teddy’s Anwesen, welches sie mir für die Zeit ihrer Abwesenheit aufnötigte, umschloss. An sich bin ich kein Fan von langweiligen Unterrichtsstunden, bei denen die Mädchen endlosen Monologen lauschen mussten und dabei Mühe haben, wach zu bleiben.  Lieber erkläre ich nach Bedarf und Situation, aber da wir mit den gängigsten Sklavenpositionen anfangen wollten, ließ es sich erst einmal nicht vermeiden. Da die eine eine Gezüchtete war, die andere Barbarin, befürchtete ich ziemlich große Unterschiede an Wissen, und ließ die Mädchen in einer Art Quiz einfach abwechselnd eine Position nennen, die andere erklären, wann sie eingenommen wird, und vor allem welche Haltung man dabei einnimmt. Nach Erklärung durfte die andere eine nennen und so weiter. Snapshot_858 Ich hatte den Eindruck, es machte beiden Mädchen Spaß, auch wenn Zina deutlich weiter war im Wissenstand, schien sie sich nicht zu langweilen. Wir saßen länger zusammen, als ich ursprünglich geplant hatte, da beide immer wieder neue Einwürfe und Ideen brachten, die ich aufgreifen konnte und ich freute mich über den Eifer der beiden, doch irgendwann beendete ich den Unterricht doch, sicherlich wollte Kin seine Sklavin auch noch sehen heute und ausserdem könnten die beiden sich im Gasthaus noch nützlich machen. Ich scheuchte die Mädchen also hinunter in die Unterstadt und schlenderte langsam hinterher, um zu sehen, ob ich etwas verpasst hatte. Schon als ich näherkam und einige Wortfetzen verstand, war mir klar, dass es hier im Gespräch der Männer am Tisch wieder mal um mich ging. Genervt genehmigte ich mir diesmal einen großen Schluck Kalana pur, doch blieb ich nicht allzulange mehr, mir war die Laune schon wieder vergangen und beschwerte mich ziemlich mürrisch, was an einer freigelassenen Sklavin denn ewig ein Stadtgespräch erforderte, dann war ich schon wieder halb auf dem Weg nach oben, ich wollte mir das nicht weiter antun, dennoch verstand ich während ich die Terrasse verließ noch deutlich Jarcaths Letzte Worte, seine Antwort auf meine Frage, die eher spöttisch klang: „Ja Shani, du mußt eben noch freier sein, als jede andere Freie“ Der Spott in seinen Worten schien nicht in meine Richtung gemünzt zu sein und so knurrte ich nur irgendwas, was ähnlich war wie: „So ein Quatsch, warum sollte ich mich so albern aufführen, mir fehlt der anerzogene Standesdünkel der Freien, die auf diesem Planeten aufwuchsen“, dann ging ich endgültig. Morgen würde ich erneut versuchen, in Sachen Heimstein und/oder Kaste voranzukommen, so langsam war ich wirklich am Verzweifeln, was dieses Thema betraf.

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Angriff ist immer noch die beste Verteidigung

Zumindest fand ich, könnte es nicht schaden, nachdem ich endlich mit den langen Kleidern laufen konnte, und auch den Schleier, auf den Georg bestand, nicht mehr ansabberte, einige Schritte voranzukommen, und das konnte mir nur gelingen, wenn ich jetzt, statt mich immer in die Defensive drängen zu lassen, selbst aktiv werde.

Als erstes nahm ich mir vor, mit dem Gefährten der Sängerin zu reden, und zwar möglichst allein. Der Krieger vom Hof versprach mir, sollte die Sängerin am Trainingstag nicht von der Seite ihres Gefährten weichen, dass er  sie ablenkt, damit ich den Krieger allein erwische. Am Trainingstag machte ich mich also auf zur Kriegerwiese, ein ungewohnter Weg, denn schon als Sklavin fand ich es fürchterlich langweilig am Rand rumzuhocken und Kriegerbeine anzuschmachten, die sah ich schliesslich auch später noch in der Stadt. Entsprechend bekam ich dann auch einige zotige Kommentare, als ich nach Tharkan fragte. Ich schmunzelte bei den Frozzeleien, und einen Kommentar, der mich nur provozieren sollte, überhörte ich ganz, natürlich kam er von dem Krieger, der sich gleich am Anfang fürchterlich über meine Freilassung aufgeregt hatte. Was soll’s. Grad als ich aufgeben wollte, erschien der Krieger, den ich sprechen wollte doch noch zum Training, allein, so dass das Ablenkungsmanöver für seine Gefährtin nicht nötig war. Er schien mir zwar nicht gerade begeistert, versprach aber mir nach dem Training einige Ehn zu geben.

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Das tat er dann auch und wir gingen ein paar Schritte in Richtung der Kalanaplantagen am Rande des Waldes, denn wie er richtig vermutete, wollte ich ihn allein sprechen. Sicherlich ein Risiko, wenn man den Worten seiner Gefährtin glaubte, die sie unterschwellig drohend an Georg richtete, in ihrem Gespräch mit ihm. Dennoch wollte ich das Risiko eingehen. Dieser Krieger begleitete meinen Weg seit Anbeginn meiner Zeit auf Gor, er war in Lydius, als man die unwissende Barbarin fand, die ich damals war, und auch als mein Weg nach Kassau ging, und später in Jort’s Fähre, immer war er irgendwie da und seine Meinung war und ist mir sehr wichtig.

Auf Sicherheitsabstand bedacht begann ich vermutlich relativ ungeschickt das Gespräch. Doch ich traute meinen Reaktionen nicht, die sich nicht einfach abschalten lassen, egal ob Kragen um den Hals oder nicht. Zudem ist dieser Krieger einer der wenigen, die mir meine Freiheit betreffend wirklich gefährlich werden könnten, denn er hat etwas an sich, was Frauen ziemlich schnell in die Knie zwingen könnte, und das freiwillig. Wie dem auch sei, mit dem Abstand, den ich einhielt, ließ sich das Gespräch gut eröffnen, also polterte ich gleich mit der Tür ins Haus und wollte wissen, was an den Drohungen seiner Gefährtin dran ist.

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Er schien mir erstaunt zu sein, wusste er womöglich nicht, dass seine Gefährtin im Gespräch mit Georg dies äusserte? Er zog nur eine Augenbraue hoch und stellte mir ohne sich weiter zu erklären die Frage, mit der ich zwar rechnete, aber nicht so schnell: „Hast du zwischenzeitlich eine Kaste, einen Heimstein?“ Ich schnaufte, hatte ich natürlich nicht, wie sollte ich auch, trotzdem versuchte ich nun ihm zu erklären, dass ein Krieger jemanden mit dem Schwert schützen kann, mein ehemaliger Herr aber nun mal Händler ist, und mir demnach den Schutz gegeben hat, den er konnte, nämlich dem seiner Kaste, was mich als Gast des Heimsteines ausweist, dem die Stadt laut ihren Gesetzen ebenfalls Schutz gewährt.Dennoch …ich konnte es nicht lassen bezüglich fehlendem Heimstein und freigelassenen Sklaven ihn an etwas zu erinnern, und er grollte zwar nach der Bemerkung, die ich dazu fallen ließ, dass ich in diesem Falle nur solange frei bin, wie er es für nötig hält, betonte aber nochmals, dass nicht ich der Kern seiner Probleme wäre.

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Nun gut, ich hätte eigentlich noch soviel zu sagen gehabt, aber der Krieger schien mir eh nur halb da zu sein, und da ich mitbekam, dass er noch mit dem Hauptmannvertreter reden wollte, gab ich mich mit dieser Aussage erst einmal zufrieden, was blieb mir auch anderes übrig? Am Stadtrand verließ er mich und bat mich, sollte der Krieger im Gasthaus anwesend sein, ihm auszurichten, dass er am Hof auf ihn wartet. Dies tat ich dann auch, und so schnell hab ich selten jemanden was von Sturheit grummeln hören um dabei gleichzeitig Unmengen von Fleisch in einem rasanten Tempo zu verschlingen, bevor er aufsprang und gen Hof verschwand. Natürlich sagte mir niemand, was dies alles sollte, nicht mal, als der Hofkrieger kurze Zeit später wiederkam und anordnete, dass alle Männer am nächsten Tage sich auf der Kriegerwiese einzufinden haben, ließ er durchblicken, aus welchem Grund. Ich fragte auch lieber nicht danach, als er mich später bat einen der Botenschreier zu sagen, dass er diese Nachricht in der ganzen Stadt bekannt geben würde, ein kompliziertes Kriegergespräch pro Tag langt einer Freien Frau bis auf weiteres, einer Sklavin, die noch nicht lange frei ist, aber erst recht. Also beauftragte ich den ersten Boten, den ich auf meinem Weg nach Hause traf, die Nachricht in der ganzen Stadt bekannt zu machen, und ging für heute schlafen, den Rest würde ich am nächsten Tag klären müssen…